Grunderwerbssteuer und Verzugszinsen

Die Grunderwerbssteuer wird auch als Rechtsverkehrsteuer bezeichnet. Ihr liegen Kaufverträge und weitere Rechtsgeschäfte zugrunde, die zum Erwerb eines Grundstückes im Inland führen. Die Grunderwerbssteuer steht allen Bundesländern zu, die sie an die jeweiligen Kommunen weiterleiten können.

Die Grunderwerbssteuer wird in der Regel von Grundstückserwerbern sowie -veräußerern gezahlt. Die Zahllast kann dabei vertraglich auf einen der Beteiligten übertragen werden. In vielen Fällen trägt der Erwerber die Steuer. Demzufolge richtet das Finanzamt den Steuerbescheid immer zuerst an den Erwerber. Sollte der Erwerber die Steuer jedoch nicht zahlen, so kann das Finanzamt die Steuer ebenso vom Veräußerer fordern. Einige Vorgänge sind von der Steuer befreit. Dazu zählen unter anderem der Erwerb eines Grundstückes durch den Ehegatten des Verkäufers, der Erwerb eines geringwertigen Grundstückes bis zu einer Freigrenze von 2.500 Euro sowie der Erwerb eines Grundstückes durch verwandte Personen ersten Grades, so auch Stiefkinder.

Doch wer seiner Steuerpflicht nicht rechtzeitig nachkommt, der muss damit rechnen, Verzugszinsen zu bezahlen. Der Nominalzins, der hierfür zu entrichten ist, variiert. In der Regel ist er aber relativ hoch, sodass es sich nicht rechnet, die Zahlung hinauszuzögern.

Das Grunderwerbssteuergesetz

Die Rechtsgrundlage für die Grunderwerbssteuer bildet das Grunderwerbssteuergesetz (GrEStG). Der Steuersatz beträgt 3,5 Prozent gemäß Paragraph 11 GrEStG. Seit 2006 gilt die Regelung, dass alle Bundesländer den Steuersatz selbst festlegen dürfen. Berechnet wird diese von der Gegenleistung, die gesetzlich umfassend bestimmt ist. Alle Vorgänge, die mit der Grunderwerbssteuer zusammenhängen, müssen dem Finanzamt mitgeteilt werden. Dies wird durch den schriftlichen Steuerbescheid festgesetzt. Wurde die Steuer gezahlt, erteilt das zuständige Finanzamt eine Unbedenklichkeitsbescheinigung. Ohne diese Bescheinigung darf der Grundstückserwerber nicht in das Grundbuch eingetragen werden.

Wie die Grunderwerbssteuer entstand

Die Grunderwerbssteuer entstammt dem ursprünglichen deutschen Laudemium, auch Abzugs- oder Aufzugsgeld genannt. Damit forderte der Grundherr eine einmalige Abgabe bei einem Besitzwechsel. Weitere Begriffe sind das Leitgeld und das Aufgeld. Diese dienten zur Bekräftigung des Kaufvertrages, wenn ein Grundstück erworben wurde. Daneben gab es viele weitere „Vorgänger“ der heutigen einheitlichen Grunderwerbssteuer.

Im 19. Jahrhundert gab es überdies eine Staats- bzw. Kommunalsteuer, die für den Grundstücksverkehr angewendet wurde. 1919 wurde bei der „Erzbergerschen Finanzreform“ ein reichseinheitliches Grunderwerbssteuergesetz verabschiedet. Die Erträge hieraus flossen den jeweiligen Gemeinden und Ländern zu. Die Steuer- und Zuschlagssätze wechselten dabei mehrfach.

1940 gab es wiederum eine Neufassung des entsprechenden Gesetztes. Es folgten weitere Änderungen. Letztlich entwickelte sich das Grunderwerbssteuerrecht in Deutschland sehr unterschiedlich. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die zahlreichen Befreiungsvorschriften. Seit 1. Januar 1983 gilt eine Vereinheitlichung durch ein Bundesgesetz. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Befreiungsvorschriften damit aufgehoben. Der Steuersatz wurde von sieben auf damalige zwei Prozent herabgesenkt.

Verzugszinsen bezahlen oder Kredit aufnehmen

Wer bei der Zahlung der Grunderwerbssteuer in Verzug Gerät bzw. kurz davor steht, der sollte darüber nachdenken, ob ein Kredit zu einem geringen Nominalzinssatz nicht die bessere Wahl ist. In der Regel sind die Verzugszinsen relativ hoch, sodass eine gute Chance besteht, die Kosten durch einen Kredit zu senken.