Einlagensicherung – Schutz vor Bankenpleite

Spätestens seit der weltweiten Bankenkrise hat der kollektive Albtraum der Verbraucher einen Namen: Bankenpleite. Die Angst vor der Insolvenz der Hausbank und dem damit einhergehenden Verlust des Ersparten ist groß. Doch es gibt ein Instrument, das Bankkunden davor schützt, plötzlich mit leeren Händen dazustehen. Dies ist die Einlagensicherung.

Wie funktioniert die Einlagensicherung?

Einlagen sind einerseits etwa Guthaben auf Girokonten und Sparbüchern, Tagesgeld und Festgeld. Hinzu treten durch Urkunden – wie zum Beispiel Sparbriefe – verbriefte Forderungen gegen das jeweilige Institut.

Wie werden diese Einlagen nun gesichert? Das deutsche Einlagensicherungssystem beruht zunächst einmal auf zwei Stützpfeilern. Einerseits die gesetzlich normierte Sicherung, an die sich alle Banken halten müssen. Andererseits tritt noch eine freiwillige Verpflichtung von privater Bankenseite hinzu. Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken treten ferne die Institute untereinander für sich ein, daher sind sie von der gesetzlichen Einlagensicherung befreit.

Einlagensicherung – altbewährt

Die Einlagensicherung ist nicht erst seit dem Jahr 2007 in aller Munde. Vielmehr stellt sie ein altbekanntes Instrument in der Finanzwelt dar und datiert bereits auf das Jahr 1937 zurück. Damals wurde der „Kreditgenossenschaftliche Garantiefonds” von dem deutschen Genossenschaftsverband ins Leben gerufen. Jener Garantiefonds war eine Reaktion darauf, dass bereits der Konkurs einzelner kleiner Finanzinstitute mit einem großen Vertrauensverlust der Bevölkerung in das Bankenwesen einherging.

Heute gilt der Garantiefonds als Basis moderner Sicherungssysteme. So wurde er im Jahr 1966 durch die Schaffung der Sicherungseinrichtung für die Privatbanken weiterentwickelt. Hiermit wurden alle Kundeneinlagen, die sich bei deutschen Sparkassen befanden, durch eine Gewährträgerhaftung abgesichert. Weiter ausgebaut wurden die Schutzvorschriften jedoch erst im Jahr 1974. In diesem Jahr wurde die Herstatt-Bank infolge von Devisenspekulationen insolvent.

Eine verbindliche Richtlinie für die Einlagensicherung existiert in Deutschland seit 1997, nachdem die EU-Kommission 1986 eine Empfehlung zu einer gesetzlichen Verpflichtung von Banken zur Teilnahme an Sicherungssystemen ausgesprochen hatte. Im Jahre 2009 wurden die gesetzlichen Grundlagen noch einmal kräftig überarbeitet. So gab es eine Erhöhung der gesicherten Mindestsumme von 20.000 Euro auf 50.000 Euro. Für das Jahr 2010 wurde gar eine Erhöhung auf 100.000 Euro erreicht. Eine Verlustbeteiligung von zehn Prozent pro Sparer wurde umgehend abgeschafft.

Welche gesetzlichen Grundlagen hat die Einlagensicherung?

In der EU sind die Mindestanforderungen durch die EG-Richtlinien 94/19/EG und 97/9/EG vorgeschrieben. Diese spiegeln sich in Deutschland im sogenannten „Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz“ wider. Gesetzlich abgesichert sind danach Einlagen bis zu einem Wert von 100.000 Euro. Das Guthaben muss dem Kunden im Falle der Insolvenz eines Kreditinstituts innerhalb von 30 Tagen ausgezahlt werden. Bei Gemeinschaftskonten von z.B. Ehegatten verdoppelt sich dieser Anspruch, da jeder Kontoinhaber seinen individuellen Schutz geltend machen kann. Natürlich gilt dies nur für Gelder, die in Euro oder einer anderen EU-Währung angelegt sind. Bis zu einer Höhe von 20.000 Euro sind ferner 90 Prozent sonstiger Verbindlichkeiten, wie etwa Wertpapiere, geschützt. Dies alles gilt für Banken, die ihren Hauptsitz in Deutschland haben. Hat ein Finanzinstitut ihren Hauptsitz im Ausland, greift die Einlagensicherung des jeweiligen Landes.

Ist das Alles?

Eine private Absicherung bieten viele Banken in Deutschland über den gesetzlichen Standard hinaus. Zum einen ermöglichen manche Kreditinstitute eine Absicherung über die Maximalsumme von 100.000 Euro hinaus. Oder fremdländische Währungen werden gleich mitgeschützt. Die jeweils geltenden Schutzangebote sind bei verschiedenen Banken jeweils individuell unterschiedlich. Nachfragen lohnt sich!

Und wie schaut es in den Nachbarländern aus?

Neben der für Deutschland geltenden Rechtslage kennen auch unsere Nachbarländer Variationen der Einlagensicherung. In Österreich existieren etwa gar fünf Sicherungssysteme nebeneinander. Zum einen existiert die klassische Einlagensicherung für Banken und Bankiers. Für Raiffeisenbanken tritt eine spezielle Raiffeisen-Einlagensicherung eGen ein, Sparkassen werden von einer Sparkassen-Haftungs AG abgesichert. Die Schulze-Delitzsch Haftungsgenossenschaft tritt im Insolvenzfall für die in Österreich existierenden Volksbanken ein und die Hypothekenbanken müssen sich dann auf die Hypo-Haftungs-Gesellschaft mbH berufen. Auch hier hat die Einlagensicherung eine Höchstgrenze von 100.000 Euro.

In der Schweiz sind Einlagen bis zu einer Höhe von 100.000 Schweizer Franken pro Anleger und Bank geschützt. Dies sind umgerechnet etwa 80.000 Euro. Die Gesamtsumme der Entschädigungen ist auf 6 Milliarden Schweizer Franken begrenzt. Im Gegensatz zu Deutschland existiert für die meisten der Finanzinstitute eine Staatsgarantie. Diese wurde zwar auch hierzulande seitens Angela Merkel immer wieder angekündigt, hat sich jedoch noch in keiner gesetzlichen Normierung wieder gefunden.

Gibt es kritische Stimmen?

Grundsätzlich besteht Einigkeit darüber, dass das deutsche Einlagensicherungssystem eine sinnvolle und bewährte Einrichtung ist. Nichts erhält das Vertrauen der Sparer in ihre Hausbanken so effektiv aufrecht, wie das weitere Bestehen ihrer Einlagen im Falle einer Insolvenz. Doch man muss sich auch über die Dimensionen einer möglichen Bankenpleite Gedanken machen. Wenn eine Bank mit mehreren Millionen Kunden im Insolvenzfall Einlagen auszahlen muss, können die Zahlungen im Extremfall in die Billionen gehen. Ob dies im Falle einer großen Banken- und Wirtschaftskrise funktioniert, bleibt abzuwarten. Experten schätzen aber, dass in so einem Fall doch der deutsche Staat einspringen würde.

Links:

  • Infos zur Einlagensicherung in DE

http://bankenverband.de/service/einlagensicherung

  • Infos zur Einlagensicherung in AT

https://www.santanderconsumer.at/ueber-uns/einlagensicherung

  •  Infos zur Einlagensicherung in CH

http://www.esisuisse.ch/

 

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